Gegen sexualisierte & interpersonelle Gewalt im Sport

Das Thema sexualisierte Gewalt ist ein gesellschaftliches Querschnittsproblem, dem sich auch der organisierte Sport als wichtiger Teil der Gesellschaft stellen muss und auch stellt.

Es ist unser Schutzauftrag, für alle Menschen, die in unserem Verein Sport treiben oder sich engagieren, eine gewaltfreie Atmosphäre zu schaffen. Als Verein mit einem hohen Anteil an minderjährigen Mitgliedern sind wir uns vor allem der besonderen Verantwortung im Umgang mit den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen bewusst.

Auf Initiative des Vorstandes und nach Beschluss durch die Mitgliederversammlung haben wir uns dem Qualitätsbündnis „Schweigen schützt die Falschen! Gemeinsam gegen sexualisierte und interpersonelle Gewalt im Sport“ des Landessportbundes NRW e.V. und der Staatskanzlei NRW angeschlossen. Das Qualitätsbündnis möchte sexualisierte und interpersonelle Gewalt im Sport wirksam vorbeugen und diese bekämpfen. Auf der Basis von maßgeschneiderten Qualitätsstandards haben wir einen Handlungsleitfaden mit konkreten präventiven und intervenierenden Maßnahmen entwickelt und innerhalb unserer Vereinsstruktur installiert.

Vertrauenspersonen

In unserem Verein gibt es zwei Vertrauenspersonen, die als Ansprechpartner*innen bei Fragen, Verdachtsfällen oder konkreten Vorfällen zur Verfügung stehen.

Annabelle Gödde

E-Mail

Nils Lebock

E-Mail

Handlungsleitfaden zum Schutz vor sexualisierter & interpersoneller Gewalt im Sport

Was ist sexualisierte Gewalt?

Sexualisierte Gewalt umfasst jede sexuelle Handlung (körperlich, verbal, visuell), die an oder vor einer abhängigen Person entweder gegen ihren Willen vorgenommen wird, oder der die Person aufgrund ihrer emotionalen, intellektuellen oder physischen Entwicklung nicht informiert und frei zuzustimmen kann.
Dabei nutzt die ausübende Person die ungleichen Machtverhältnisse zwischen sich und der abhängigen Person aus, um sie zur Kooperation zu überreden und zu zwingen und um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der anderen Person zu befriedigen.
(in Anlehnung an Zemp 1991 und Deegener 2006)

Warum ist der Sport für Täter*innen interessant?

Die Formen sexualisierter Gewalt im Sport unterscheiden sich nicht grundlegend von denen in anderen Bereichen der Gesellschaft. Es gibt allerdings Faktoren, die sexualisierte Gewalt im Sport begünstigen, das heißt potenziellen Täter*innen Möglichkeiten der Annäherung und des „Austestens“ eröffnen:

  • Körperzentrierung
  • spezifische Sportkleidung
  • Notwendigkeit von Körperkontakten
  • die „Umzieh- und Duschsituationen“
  • Rituale wie Umarmungen (z. B. bei Siegerehrungen)
  • die Rahmenbedingungen zum Beispiel bei…
    • Fahrten zu Wettkämpfen und Freizeiten mit Übernachtungen
    • abgeschirmte Situationen in der Sporthalle
    • Einzelbesprechungen, Einzeltraining
  • enge Bindung zwischen Übungsleiter*innen und Sportler*innen
  • Abhängigkeiten zwischen Übungsleiter*innen und Sportler*innen

Wie sehen Täter*innen aus, wie gehen sie vor?

Es gibt keine „äußeren Erscheinungsmerkmale“, an denen Menschen erkannt werden können, die anderen Menschen sexualisierte Gewalt zufügen.

Oft bauen Täter*innen sehr langfristig ein hohes Ansehen im Verein auf. Sie sind engagiert, bieten zusätzliche Aktivitäten an und pflegen gute Kontakte im Verein (besonders zur Geschäftsstelle und dem Vorstand). Sie gelten als tadellos, niemand würde ihnen zutrauen, sich an anderen Menschen (vor allem an Kindern und Jugendlichen) zu vergehen.

Die Täter*innen testen über einen längeren Zeitraum ihre potenziellen Opfer. Die Manipulationsprozesse beginnen mit einer besonderen Aufmerksamkeit gegenüber dem Opfer und es wird versucht eine Abhängigkeit herzustellen.

In der Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen wird häufig der private Raum einbezogen. Treffen oder Übernachtungen in der privaten Wohnung, Feierlichkeiten im Gartenhaus etc.

Die Opfer fühlen sich schlecht, schmutzig und schämen sich, weil sie die Geschehnisse nicht verarbeiten und einordnen können. Täter*innen gehen strategisch vor und arbeiten mit Schuldzuweisungen („du wolltest es doch auch“), Drohungen und untergraben die Glaubwürdigkeit ihrer Opfer, damit die Taten nicht bekannt werden.

Neben Erwachsenen (männlich und weiblich) können durchaus auch Gleichaltrige aus der Trainingsgruppe als Täter*innen in Frage kommen.

Sexualisierte Gewalt kann im Sport unter anderem stattfinden

  • zwischen Betreuer*innen
  • zwischen Betreuer*innen und Sportler*innen (vor allem Kinder und Jugendliche)
  • zwischen Funktionsträger*innen
  • zwischen Sportler*innen
  • zwischen Angestellten von Sportstätten und Sportler*innen (vor allem Kinder und Jugendliche)
  • zwischen Kindern und Jugendlichen
  • zwischen Kindern, Jugendlichen und Fremden
  • im privaten Umfeld

Sexualisierte Gewalt ist keinesfalls ein „Ausrutscher“ oder ein „Versehen“. Es handelt es sich selten um ein einmaliges Vorgehen, sondern fast immer um eine Wiederholungstat.

Was fällt konkret unter sexualisierte Gewalt?

In den meisten Fällen von sexualisierter Gewalt steht nicht die sexuelle Befriedigung im Vordergrund. Es geht um den Missbrauch von Macht durch sexuelle Handlungen. Bei sexualisierter Gewalt benutzt der „Machtvolle“ seine Überlegenheit, um dem „Machtlosen“ Gewalt anzutun.

Sexualisierte Gewalt im Sport kann sein:

  • Grenzverletzungen bei der Kontrolle der Sportkleidung
  • Übergriffe bei der Hilfestellung (Berührung des Intimbereiches)
  • Ungewolltes Berühren, Küssen oder auf den Schoß nehmen
  • Sexuelles Belästigen und Bedrängen
  • Anzügliche Bemerkungen über die Figur
  • Sexistische Witze und Sprüche
  • Hochladen oder Streamen von Fotos und Videos in Sozialen Netzwerken oder Messengern
  • Übergriffe exhibitionistischer Art in der „Umziehsituation“ oder beim gemeinsamen Duschen
  • Verletzungen der Intimsphäre durch Eindringen in Umkleiden und Duschen
  • Drängen oder Zwingen zum Anschauen oder Mitwirken in pornografischen Handlungen
  • Sexuelle Handlungen und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung

Wie erkennt man das Vorliegen von sexualisierter Gewalt?

Es gibt keine eindeutigen Verhaltensweisen, die auf sexualisierte Gewalt hinweisen. Grundsätzlich sollte jede Verhaltensänderung zum Anlass genommen werden, diese mit dem nötigen Einfühlungsvermögen zu hinterfragen, zum Beispiel:

  • plötzliches, häufiges Fehlen
  • sich zurückziehen
  • Vermeidungsverhalten
  • auffällige Gewichtsveränderungen
  • extremes Leistungsverhalten
  • aggressives oder depressives Verhalten
  • auffällige Müdigkeit
  • sexualisierendes Verhalten

Risikoanalyse der Vereinsstruktur

Als Grundlage für die Entwicklung unseres Schutzkonzeptes haben wir eine Risikoanalyse durchgeführt. Die Risikoanalyse ist ein Instrument, um sich über Gefahrenpotentiale und Gelegenheitsstrukturen in der eigenen Sportorganisation bewusst zu werden.

Folgende Organisationsbereiche wurden gebildet:

  • Vereinsführung/Vereinsvorstand
  • Vereinsjugend und J-Team
  • Freiwilliges Soziales Jahr
  • Geschäftsstelle
  • Abteilungen

Im Fokus standen vor allem die Organisationsbereiche mit Kindern und Jugendlichen sowie die mit Sportausübung. Es wurden Sportarten zusammenbetrachtet, die ähnliche Charakteristika aufweisen (Machtverhältnisse, Körperkontakt, Hilfestellungen, Sportkleidung etc.).

Folgenden Risikofelder wurden in den Organisationsbereichen analysiert:

  • Personalauswahl
  • Personalentwicklung
  • Organisation, Struktur
  • Zielgruppe
  • Eltern (soziales Umfeld)
  • Kommunikation und Umgang mit den Sportler*innen
  • Soziales Klima und Miteinander (Kulturaspekte)
  • Soziale Medien
  • Räumlichkeiten, Gelände, Weg & Fahrten

Die Ergebnisse der Risikoanalyse gaben uns Aufschluss über bestehende Risiken, die Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt ermöglichen/begünstigen können, und bildeten damit die Grundlage für die Entwicklung von passgenauen Präventionsmaßnahmen und die Vornahme von strukturellen Veränderungen.

Welche präventiven Maßnahmen setzt der Verein um?

Positionierung

Der Vorstand hat die Entscheidung getroffen, sich aktiv für den Schutz vor sexualisierter Gewalt im Verein einzusetzen und die Präventionsarbeit zu seiner Aufgabe erklärt.

Durch die Implementierung des Themas in der Vereinssatzung (s. § 4 Grundsätze Absatz 2) positioniert der TSV 1887 Schloß Neuhaus e.V. den Schutz vor sexualisierter Gewalt als elementares Thema seiner Organisation, signalisiert seine Zuständigkeit und legitimiert sein Handeln.

Alle Vorstandsmitglieder, Übungsleiter*innen und sonstige ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie Honorarkräfte im Verein nehmen die Verantwortung in ihrem Aufgabenbereich wahr und werden tätig, wenn ihnen ein Sachverhalt sexualisierter Gewalt bekannt wird.

Vertrauenspersonen

Als Vertrauenspersonen und Ansprechpartner*innen in Sachen sexualisierter Gewalt im Verein stehen für den Erstkontakt die vom geschäftsführenden Vorstand bestellten Personen zur Verfügung. Ihre Namen und Kontaktdaten werden auf der Vereinshomepage veröffentlicht. Die Vertrauenspersonen unterstehen in dieser Thematik unmittelbar dem Vorstand und unterrichten diesen im Krisenfall umgehend.

An die Vertrauenspersonen kann sich jeder bei Verdachtsfällen, Fragen zum Thema oder konkreten Vorfällen wenden.

Ihre Aufgaben sind im Einzelnen:

  • Verbindungsstelle zwischen Betroffenen und Vorstand
  • Organisation des internen Krisenmanagements
    • Dokumentation der Anfrage und des Vorgehens
    • Informieren des Vorstandes
    • Herbeiführen einer Entscheidung über die nächsten Schritte
    • Einbeziehung einer Fachberatungsstelle zur Beratung des weiteren Vorgehens und zur Verdachtsabklärung
    • Vermittlung von professioneller Hilfe für den/die Anfragende*n selbst
    • Unterstützung der Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit
  • Vernetzung durch Kontaktpflege zu Fach- und Beratungsstellen und Teilnahme an Netzwerktreffen
  • Unterstützung des Vorstands beziehungsweise der zuständigen Stellen bei der Koordination von Präventionsmaßnahmen im Verein
  • Anregungen zu Präventionsmaßnahmen geben (Fachvorträge, Erarbeitung von Verhaltensleitlinien etc.)
  • Regelmäßige Fortbildung zum Thema sexualisierter Gewalt

Fachberatung und die Arbeit mit Betroffenen ist nicht Aufgabe der Vertrauenspersonen. Hierzu werden Fachstellen informiert und involviert, da deren Mitarbeiter*innen qualifiziert sind, die Betroffenen zu betreuen, Täter*innen zu beraten, therapeutisch aktiv oder ermittelnd tätig zu werden.

Die Vertrauenspersonen sind entsprechend qualifiziert und bilden sich zu dem Thema regelmäßig fort.

Personalauswahl und Einstellungs- bzw. Erstgespräche

Bei der Personalauswahl und den Einstellungs- bzw. Erstgesprächen soll den Bewerber*innen deutlich gemacht werden, dass Schutz vor sexualisierter Gewalt und ein grenzwahrender Umgang Standards des Vereins sind. Bei der Auswahl und Einstellung von Personal sollen folgende Punkte geprüft und beachtet werden:

  • Prüfung der Qualifikationen, der Motivation und der Erfahrung
  • Information zu den Standards des Vereins anhand des Ehrenkodex
  • Sensibilisierung für die Problematik sexualisierter Gewalt im Sport
  • Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses/einer Unbedenklichkeitsbescheinigung
  • Erläuterung von Verfahrensregeln zum Umgang mit Übergriffen und strafrechtlich relevanten Formen von Gewalt

Ehrenkodex

Alle Vorstandsmitglieder, Übungsleiter*innen und sonstige ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie Honorarkräfte dokumentieren mit der Unterzeichnung des Ehrenkodex (Vorlage des Landessportbundes NRW), dass sie die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in unserem Verein unter Einhaltung ethischer und moralischer Gesichtspunkte gestalten.

Die Unterzeichnung des Ehrenkodex hat vor Beginn einer Tätigkeit zu erfolgen. Ausgabe, Dokumentation und Speicherung des Ehrenkodex werden von der Geschäftsstelle vorgenommen.

Erweitertes Führungszeugnis/Unbedenklichkeitsbescheinigung und Selbstverpflichtungserklärung

Alle Vorstandsmitglieder, Übungsleiter*innen und sonstige ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie Honorarkräfte müssen in einem 4-jährigen Rhythmus ein erweitertes Führungszeugnis gemäß § 72 a SGB VIII vorlegen. Die Umsetzung in der Stadt Paderborn erfolgt für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen nach dem „Regensburger Modell“ durch die sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung. Das Beantragungsformular wird von der Geschäftsstelle ausgefüllt und ausgehändigt. Das erweiterte Führungszeugnis/die Unbedenklichkeitsbescheinigung wird von der betreffenden Person beim zuständigen Bürgerbüro beantragt und den zuständigen Mitarbeiter*innen vorgelegt. Nach der Prüfung wird die Einsichtnahme dokumentiert.

Bei Verweigerung der Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses/der Unbedenklichkeitsbescheinigung lehnt der Verein zum Schutz seiner Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen die Zusammenarbeit mit der entsprechenden Person ab.

Im Falle von Eintragungen gemäß §§174 ff. StGB im erweiterten Führungszeugnis muss der Vorstand ggf. unter Einbeziehung externer Stellen oder eines Rechtsbeistandes per Vorstandsbeschluss entscheiden, ob eine Tätigkeit in unserem Verein zugelassen wird.

Die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses/der Unbedenklichkeitsbescheinigung hat vor Beginn der Tätigkeit zu erfolgen. Dieses darf nicht älter als 3 Monate sein. Sollte wegen eines spontanen Engagements (max. 3 Monate) die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses/der Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht möglich sein, holt der Verein eine Selbstverpflichtungserklärung ein.

Sensibilisierung und Qualifizierung

In Kooperation mit dem KreisSportBund Paderborn e.V. und dem Landessportbund NRW e.V. werden regelmäßig (mind. einmal pro Jahr) Schulungen zum Thema „Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt“ in unserem Verein angeboten. Darüber hinaus bieten die aufgeführten Kooperationspartner ihrerseits Schulungen an.

Alle Vorstandsmitglieder, Übungsleiter*innen und sonstige ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie Honorarkräfte sollen in einem Rhythmus von 3 Jahren an einer Schulung teilnehmen. Spätestens 5 Jahre nach der letzten Schulung ist eine Wiederholung verpflichtend. Für neue Mitarbeiter*innen ist die Teilnahme im ersten Jahr nach Tätigkeitsbeginn verpflichtend.

Präventionsangebote für die Sportler*innen

Der Verein bietet regelmäßig Präventionsangebote für Sportler*innen an (z.B. Workshops zum Thema Selbstbehauptung und Selbstverteidigung).

Verhaltenskodex für einen respektvollen Umgang miteinander

Um eine sichere Umgebung für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in unserem Verein zu schaffen, wurde ein Verhaltenskodex ausgearbeitet.

Qualitätsbündnis „Gemeinsamt gegen sexualisierte Gewalt im Sport“

Das Qualitätsbündnis Schweigen schützt die Falschen! – Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt im Sport hat sich zur Aufgabe gemacht, klare Kriterien und Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt im organisierten Sport zu entwickeln. Wichtige Ziele sind außerdem die enge Vernetzung und der Transfer von Fachwissen.

Der TSV 1887 Schloß Neuhaus e.V. möchte die 10 Qualitätskriterien des Qualitätsbündnisses erfüllen und dem Qualitätsbündnis beitreten.

Öffentlichkeitsarbeit

Auf unserer Vereinshomepage positionieren wir uns öffentlichkeitswirksam gegen sexualisierte Gewalt im Sport und stellen unser Schutzkonzept mit unseren präventiven und intervenierenden Maßnahmen sowie die vom Vereinsvorstand berufenen Vertrauenspersonen vor.

Des Weiteren stellen wir in den vom Verein genutzten Sportstätten und Räumlichkeiten Informationsmaterialien (Plakate, Flyer und Broschüren) zur Verfügung.

Was ist zu tun, wenn eine konkrete Annahme besteht?

Interventionsleitlinie

Diese Interventionsleitlinie beschreibt die konkreten Maßnahmen, welche im Verdachtsfall von sexualisierter Gewalt ergriffen werden müssen. Dieser Interventionsleitfaden soll den dafür beauftragten Personen Handlungssicherheit geben.

  1. Im Verdachtsfall steht an erster Stelle DISKRETION und RUHE BEWAHREN.
  2. Der Vorstand benennt Ansprechpartner*innen für den Erstkontakt, die bei einem Verdachtsfall als Vertrauenspersonen zur Rate gezogen werden.
  3. Im Verdachts- oder Krisenfall werden die Informationen/Feststellungen ohne eigene Interpretation des Sachverhalts in einem Dokumentationsbogen festgehalten.
  4. Den Schilderungen der Betroffenen wird zugehört und Glauben geschenkt.
  5. Die verantwortlich handelnden Personen („Krisenteam“) werden festgelegt. Es werden Absprachen für Zuständigkeiten und den Umgang mit verschiedenen Personengruppen getroffen (z.B. betroffene Person, Eltern betroffener Person, Personen unter Verdacht, Team, andere Personen).
  6. Alle eingeleiteten Schritte, z.B. die Information der Eltern (sofern sie nicht selbst in den Missbrauch verwickelt sind), erfolgen stets in Absprache mit der betroffenen Person. An keiner Stelle darf „über den Kopf“ der betroffenen Person hinweg gehandelt werden. Es werden keine Versprechungen gegeben, die nicht eingehalten werden können. Es erfolgt der Hinweis, dass man sich ggf. zunächst selbst Unterstützung holen muss.
  7. Bei dem Verdacht strafbaren Handelns wird unverzüglich der Vorstand informiert sowie eine externe Fachstelle eingeschaltet. Der/die „Täter*in“ wird unter keinen Umständen eigenständig zur Rede gestellt. Eine Ansprache der „verdächtigen Person“ erfolgt – in Absprache mit der externen Fachstelle – ausschließlich über den Vorstand.
  8. In Absprache mit der externen Fachstelle werden vereinsinterne Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet, um einen weiteren Kontakt des Beschuldigten mit den (potenziellen) Opfern ohne Anwesenheit eines Vereinsvertreters zu verhindern bzw. ihn bis zur endgültigen Klärung des Sachverhalts von der weiteren Tätigkeit auszuschließen.
  9. Die Information der Vereinsmitglieder und ggf. der Öffentlichkeit erfolgt erst nach Absprache mit der externen Fachstelle. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:
    1. Die Anonymität der Beteiligten muss gewahrt bleiben.
    2. Opferschutz: Das Opfer steht im Mittelpunkt der Sorge. Es muss alles getan werden, um einen weiteren Schaden oder eine Traumatisierung zu verhindern.
    3. Persönlichkeitsschutz: Äußerungen etwaiger Verdachtsmomente gegenüber Dritten müssen unterbleiben. Die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten müssen beachtet werden. Die Verletzung dieser Rechte kann Schadensersatzansprüche auslösen.
  10. Täter*innen müssen in unserem Verein mit einem konsequenten Vorgehen rechnen. Wir dulden keine Form der körperlichen, psychischen und sexualisierten Gewalt in unserem Verein.

Grundsätzlich gilt im Zweifel: Opferschutz geht vor Täterschutz!

Notfallnummern und kommunale Beratungsstellen

  • BELLADONNA – Tel.: 05251 1219619, E-Mail: belladonna@skf-paderborn.de
  • Frauenberatungsstelle Lilith e.V. – Tel.: 05251 21311, E-Mail: frauenberatung@lilith-paderborn.de
  • WEISSER RING e.V. – Tel.: 05251 370987, E-Mail: paderborn@mail.weisser-ring.de
  • Pro Familia – Tel.: 05251 8790970, E-Mail: paderborn@profamilia.de
  • Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 2255530
  • Nummer gegen Kummer e.V. – Tel.: 116111 (Kinder und Jugendliche) und 0800 1110550 (Eltern)

Weitere Informationen

Ehrenkodex für alle Mitarbeiter*innen

Ehrenkodex für alle Mitarbeiter*innen¹

Hiermit verpflichte ich mich,

✓ dem persönlichen Empfinden der mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Vorrang vor meinen persönlichen Wünschen und Zielen zu geben.

✓ jedes Kind, jeden Jugendlichen und jeden jungen Erwachsenen zu achten und seine Entwicklung zu fördern.

✓ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bei ihrer Selbstverwirklichung zu angemessenem sozialem Verhalten anderen Menschen gegenüber anzuleiten.

✓ sportliche und sonstige Freizeitangebote für die Sportorganisationen nach dem Entwicklungsstand der mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auszurichten und kind- und jugendgerechte Methoden einzusetzen.

✓ den mir anvertrauten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen entsprechende Rahmenbedingungen für sportliche und außersportliche Angebote durch die Sportorganisationen zu schaffen.

✓ das Recht des mir anvertrauten Kindes, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf körperliche Unversehrtheit und Intimsphäre zu achten und keine Form der Gewalt sei sie physischer², psychischer oder sexueller Art auszuüben.

✓ den mir anvertrauten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen für alle sportlichen und außersportlichen Angebote durch die Sportorganisationen ausreichende Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten zu bieten.

✓ Vorbild für die mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu sein, die Einhaltung von sportlichen und zwischenmenschlichen Regeln zu vermitteln und nach den Regeln des Fair-Play zu handeln.

✓ eine positive und aktive Vorbildfunktion im Kampf gegen Doping und Medikamentenmissbrauch sowie gegen jegliche Art von Leistungsmanipulation zu übernehmen.

✓ beim Umgang mit personenbezogenen Daten der mir anvertrauten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Datenschutzbestimmungen einzuhalten.

✓ einzugreifen, wenn in meinem Umfeld gegen diesen Ehrenkodex verstoßen wird und professionelle Unterstützung hinzuzuziehen (kommunale Beratungsstellen, Landessportbund NRW) sowie die Verantwortlichen z.B. Vorgesetzte/ Vorstand auf der Leitungsebene zu informieren.

✓ diesen Ehrenkodex auch im Umgang mit erwachsenen Sportlerinnen und Sportlern einzuhalten.


¹ Vorstandsmitglieder, Übungsleiter*innen und sonstige ehren-, neben- und hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie Honorarkräfte

² Ausnahme sportartspezifischer Kontext (z.B. Kampfsport)

Verhaltenskodex zum Schutz vor sexualisierter & interpersoneller Gewalt

– Kinder, Jugendliche und Erwachsene –

Im Folgenden wird der Begriff Sportler*innen verwendet. Dieser bezieht ausdrücklich sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene mit ein.

1. Körperliche Kontakte

Körperliche Kontakte zu Sportler*innen, z.B. zur Ermunterung, Gratulation oder zum Trösten, dürfen das pädagogisch und sittlich sinnvolle sowie rechtlich erlaubte Maß nicht überschreiten. Körperliche Kontakte sind sofort einzustellen, wenn der/die Sportler*in diese nicht wünscht.

Bei körperlichen Hilfestellungen im Training erklären die Übungsleiter*innen ihr Vorgehen und holen sich die Erlaubnis der Sportler*innen ein. Niemand wird zu einer Übung oder Haltung gezwungen.

2. Sprachgebrauch

Sportler*innen, Übungsleiter*innen, Betreuer*innen, Eltern und Zuschauer*innen verzichten auf beleidigende, abwertende, sexistische und gewalttätige Äußerungen.

3. (Soziale) Medien

Sportler*innen, Übungsleiter*innen, Betreuer*innen, Eltern und Zuschauer*innen erstellen keine Wort-, Bild- oder Videobeiträge, welche entwürdigend oder beleidigend gegenüber anderen sind (Mobbing, Pornografie, Obszönitäten, Rassismus etc.) und posten oder streamen diese nicht in den Sozialen Medien (Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, TikTok etc.) und in Messenger-Diensten (WhatsApp etc.).

4. Ankunft und Verlassen der Sportstätte

Die Eltern informieren die Übungsleiter*innen, ob ihre Kinder übergeben und übernommen werden oder ob sie selbstständig kommen und weggehen.

Kinder und Jugendliche melden sich bei ihren Übungsleiter*innen nach der Ankunft an und vor dem Verlassen ab. Kinder und Jugendliche verlassen die Sportstätte nach Möglichkeit mindestens zu zweit.

Wenn Kinder nicht von ihren Eltern abgeholt werden können, geben die Eltern an, an welche andere Person das Kind übergeben werden darf (z.B. Großeltern).

Für unvorhergesehene Situationen ist es wichtig, dass die Übungsleiter*innen die Telefonnummer der Eltern zur Verfügung haben.

Die Übungsleiter*innen stellen sicher, dass die Sportstätte während des Trainings nicht von unbefugten Dritten betreten wird.

Die Übungsleiter*innen verlassen die Sportstätte erst, nachdem alle Kinder und Jugendlichen die Sportstätte verlassen haben.

5. Umkleidekabine

Die Umkleidekabine ist ein geschützter Raum für die Sportler*innen.

In der Umkleidekabine werden Smartphones/-watches nicht genutzt. Das Aufnehmen, Uploaden oder Streamen von Fotos und Videos ist strengstens untersagt.

     Kinder < 6 Jahre

Hilfe beim An- oder Ausziehen eines nicht eigenen Kindes sollte nur nach Zustimmung des Kindes und möglichst unter Anwesenheit eines zweiten Erwachsenen erfolgen (Vier-Augen-Prinzip).

Eltern warten nach Möglichkeit vor der Umkleidekabine.

     Kinder > 6 Jahre, Jugendliche und Erwachsene

Kinder > 6 Jahre und Jugendliche ziehen sich um und duschen ohne die Anwesenheit von Übungsleiter*innen und Betreuer*innen. Erwachsene ziehen sich um und duschen ohne die Anwesenheit von gegengeschlechtlichen Übungsleiter*innen und Betreuer*innen.

Dritte Personen (Vereinsfunktionäre*innen, Zuschauer*innen etc.) betreten die Umkleidekabine nicht, außer es gibt einen triftigen sportlichen Grund. Vor dem Betreten der Umkleidekabine wird angeklopft und auf Einlass gewartet.

Eltern warten vor der Umkleidekabine.

6. Trainingseinheiten

Alle Trainingseinheiten, die mit Kindern (< 14 Jahre) stattfinden, sollen mit zwei Personen (Übungsleiter*in, Sporthelfer*in) besetzt sein (Vier-Augen-Prinzip, Aufsichtspflicht).

Übungsleiter*innen, die ihre Gruppe nicht persönlich trainieren können, informieren den Abteilungsvorstand und die Geschäftsstelle über ihre Vertretung. Der/die Vertreter*in muss für diese Aufgabe vom Vorstand autorisiert sein.

Es kann vorkommen, dass Kinder Unterstützung beim Toilettengang benötigen. Eltern besprechen im Vorfeld mit den Übungsleiter*innen, wie das Kind unterstützt werden muss und wer dieses tun darf.

7. Einzel-Trainingseinheiten

Einzeltrainingseinheiten werden vorher abgesprochen und angekündigt (mit dem Abteilungsvorstand und den Eltern). Sie werden nur durchgeführt, wenn eine weitere Begleitung (z.B. ein Elternteil) anwesend ist (Vier-Augen-Prinzip).

8. Fahrten zu Wettkämpfen

Bei Fahrten zu Wettkämpfen von Kindern und Jugendlichen ist es üblich, dass Eltern fahren und Fahrgemeinschaften gebildet werden. Den Übungsleiter*innen sind die Kontaktdaten aller Fahrer*innen bekannt. Es werden eindeutige Absprachen getroffen, wo die Kinder nach der Rückfahrt abgesetzt werden dürfen. Die fahrenden Eltern beachten, dass ihr eigenes Kind nicht vor den anderen Kindern abgesetzt wird.

9. Fahrten mit Übernachtungen

Fahrten mit Übernachtungen, z.B. Freizeiten, Trainingslager oder mehrtägige Fahrten, werden grundsätzlich von mindestens einer männlichen und weiblichen Person begleitet.

Kinder/Jugendliche und Betreuer*innen übernachten grundsätzlich in getrennten Zimmern. Kann dieses nicht gewährleistet werden, übernachten immer mindestens zwei gleichgeschlechtliche Betreuer*innen mit den Kindern/Jugendlichen in einem Zimmer.

Betreuer*innen klopfen vor dem Betreten der Zimmer an. Sie vermeiden Situationen, in denen sie allein mit den Kindern/Jugendlichen in einem Zimmer sind. Ist dies nicht zu vermeiden, bleiben die Türen geöffnet.

10. Verdachtsfall

Bei einem Verdachtsfall auf Kindeswohlgefährdung oder sexualisierte Gewalt wird sofort eine der vom Vorstand benannten Vertrauenspersonen angesprochen.

11. Gewalt jeglicher Art

Sportler*innen, Übungsleiter*innen, Betreuer*innen, Eltern und Zuschauer*innen wenden gegenüber anderen keine Art von Gewalt an, weder sexueller, physischer (Ausnahme sportartspezifischer Kontext, z.B. Kampfsport), psychischer noch verbaler Natur.