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Schiris sind Mangelware

Von 25. November 2014Handball
NW-NewsHANDBALL: Auch im Kreis Lippe sind die Zahlen stark rückläufig
VON ROUVEN THEISS
Kreis Paderborn. Dem Handballkreis Lippe, dem neben Teams aus dem lippischen Kerngebiet auch Mannschaften aus den Kreisen Paderborn und Höxter angehören, gehen die Schiedsrichter aus. Vor dieser Saison nahmen 48 Unparteiische ihren Hut, nur 23 neue kamen hinzu. Insgesamt befinden sich somit noch knapp 150 Männer, Frauen und Jugendliche aus dem Kreisgebiet an der Pfeife.
Die Gründe für diese Zahlen sind vielschichtig. Zum einen spielt die berufliche Belastung eine Rolle, oder junge Menschen ziehen aufgrund des Studiums oder der Ausbildung weg. Dazu kommt, dass Jung-schiedsrichter in der Vergangenheit in unteren Klassen oft verbal unsachlich von Zuschauern oder Spielern attackiert wurden und deshalb wenig Lust haben, ihre Wochenenden als Schiri zu verbringen. „Der Handballkreis hat hier mit den Jungschiedsrichter-Betreuern, die jeder Verein stellen muss, für eine Sache gesorgt, die gut angenommen wird“, weiß Günter Warkus zu berichten, der mit Günter Hoppe als höchstpfeifendes Gespann, das für Vereine aus Paderborn unterwegs ist, Begegnungen in der Herren-Verbandsliga und Frauen-Oberliga pfeift. „Im Grunde genommen ist es für diejenigen, die es als Spieler nicht nach ganz oben geschafft haben, als Schiedsrichter leichter, aufzusteigen, weil man nicht so häufig trainieren muss“, bricht Hoppe eine Lanze für das Schwarzkittel-Wesen.
Im Handballkreis Lippe reagiert man seit vielen Jahren auf die sinkenden Unparteiischen-Zahlen mit entsprechenden Sperren der betroffenen Vereine im Erwachsenen-Bereich für alle Test- und Freundschaftsspiele. Für die Saison 2014/2015 gilt diese Sperre mit HSG Augustdorf/Hövelhof, TV Großenmarpe, TSV Hillentrup, HSG Blomberg/Lippe, TuS Sennelager, TuS Leopoldshöhe, DJK Brakel, HSG Bad Salzuflen, SG Cappel/Großenmarpe, SuS Wissentrup, TSV Bösingfeld, TSG Hohenhausen und TV 1875 Paderborn gleich für 13 Vereine. Die Clubs müssen dabei lediglich 60 Prozent des eigentlichen Solls erfüllen, das zwei Schiedsrichter pro Mannschaft, die oberhalb der Kreisliga spielt und einen für jede andere Truppe auf Kreisebene, in deren Liga Unparteiische angesetzt werden, vorsieht.
Allerdings gibt es auch sogenannte halbe Unparteiische, also Spieler-Schiedsrichter, die sieben Begegnungen pro Halbserie pfeifen müssen. „Die Vereine sind hier ganz klar in die Verantwortung zu nehmen, schließlich möchte jeder bei seinen Partien kompetente Spielleiter haben. Ich plädiere nicht für Sperren, sondern würde den jeweiligen ersten Mannschaften bei Nichterfüllen des Schiedsrichters-Solls Punkte abziehen“, hat Hoppe einen interessanten Vorschlag parat, der genau so auch schon im Hessischen Handballverband praktiziert wird.
Den dortigen Oberliga-Frauen von Eintracht Baunatal werden am Ende dieser Serie satte fünf Zähler abgezogen. „Ich beobachte die Entwicklung mit Sorge, auch als stellvertretender Vorsitzender beim TSV Schloß Neuhaus. Die Vereine müssen Anreize schaffen, um Schiedsrichter zu gewinnen. Der Handballkreis hat dagegen die Aufgabe, sich um gute Ausbildung und ordentliche Rahmenbedingungen zu kümmern – was er tut“, so Günter Hoppe weiter. Und Günter Warkus hält fest: „Der Mittelbereich, also die 25- bis 35-Jährigen, fehlt fast komplett. Ich bin dafür, dass beispielsweise Spiele der männlichen D-Jugend oder der weiblichen B-Jugend, wo momentan keine Schiedsrichter angesetzt sind, von richtigen Unparteiischen geleitet werden. Spiele in der 1. Kreisklasse der Herren beispielsweise nicht, damit die Vereine begreifen, dass Schiedsrichter wichtig sind. Punktabzüge wären ebenfalls eine Lösung.“
Offenbar ist der Ernst der Lage aber nicht allen Vereinen aus Lippe, Paderborn und Höxter bewusst. Einen zusätzlichen Schiedsrichter-Anwärterlehrgang musste Kreis-Schiedsrichterwart Uwe Büker mangels Masse absagen. Es gibt jedoch positive Gegenbeispiele. Christian Dux, der in Paderborn wohnt, in den Reihen des VfL Schlangen Handball spielt und ein Team trainiert, pfeift zusammen mit seinem Kollegen Bennett Follmert Duelle in der Dritten Liga – und vor kurzem durfte sich das Duo über eine unverhoffte Premiere freuen: Da die angesetzten Unparteiischen beim Frauenhandball-Bundesliga-Spiel zwischen Blomberg und Göppingen nicht zugegen waren, wurden kurzerhand Dux und Follmert ins kalte Wasser geworfen. Und in einem Interview mit handball-world.com bekannte Dux: „Der Traum von der Bundesliga ist natürlich da. Wir machen das jetzt schon so viele Jahre und es ist einfach faszinierend.“
Foto: Rouven Theiss
© 2014 Neue Westfälische
15 – Paderborn (Kreis), Dienstag 25. November 2014
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